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Norwegische Equinor startet industrielles Wasserstoff-Projekt in Großbritannien

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Stavanger – Der norwegische Öl- und Gaskonzern Equinor plant in Großbritannien eine große Industrieanlage, in der aus fossilem Erdgas zunächst blauer Wasserstoff erzeugt wird. Die geplante Kohlenstoffdeponierung mittels CCS-Technologie dürfte die norwegische Industriepolitik unterstützen.

Die Humber-Region ist eine große Gezeitenmündung im Nordosten von England und Standort eines großen Industrieclusters mit hohen Emissionen. Equinor will Großbritannien bei der Entwicklung kohlenstoffarmer Industrieregionen unterstützen, auch mit Hilfe der Carbon Capture and Storage (CCS)-Technologie. Ein Treiber ist wohl die norwegische Regierung, die die CCS-Wertschöpfungskette im eigenen Land entwickeln will.

Das Projekt „Hydrogen to Humber Saltend (H2H Saltend)“

Bis 2030 will die britischen Regierung mindestens einen kohlenstoffarmen Industriecluster und bis 2040 den weltweit ersten Netto-Nullcluster einrichten. Mit dem Projekt „Hydrogen to Humber Saltend (H2H Saltend)“ planen Equinor und und seine Partner (Zero Carbon Humber-Allianz) mit einem Wasserstoff-Projekt einen ersten Schritt in Richtung Dekarbonisierung dieser Industrieregion. Projektstandort ist der Saltend Chemicals Park in der Nähe der Stadt Hull.

Erste Projektphase: Wasserstoff aus Erdgas mit Kohlenstoffabscheidung

Die erste Phase umfasst eine 600-Megawatt-Autothermoreformer-Anlage (ATR) mit Kohlenstoffabscheidung. Dies ist nach Fertigstellung die weltweit größte Anlage ihrer Art zur Umwandlung von Erdgas in Wasserstoff, teilte Equinor mit. Mit dem ATR-Verfahren wird in einem ersten Schritt aus Erdgas (oder anderer C-haltiger Gase) ein Synthesegas produziert, das aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid besteht.

Das Gasgemisch kann als Einsatzstoff für die Herstellung von Methanol verwendet oder in die Einzelkomponenten reiner Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid getrennt werden. So können Industriekunden im Park vollständig auf Wasserstoff umstellen und das Kraftwerk im Park auf eine Mischung aus 30% Wasserstoff und Erdgas umstellen. Infolgedessen sollen die Emissionen aus dem Saltend Chemicals Park um fast 900.000 Tonnen CO 2 pro Jahr reduziert werden, so Equinor.

Zweite Projektphase mit britischer Unterstützung?

In späteren Phasen kann H2H Saltend erweitert werden, um andere industrielle Nutzer im Park und im gesamten Humber zu bedienen, so Equinor weiter. Allein im verarbeitenden Gewerbe sind hier 55.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Nutzung des Wasserstoffs soll im großen Maßstab erfolgen, wobei offen bleibt, ob als blauer Wasserstoff (hergestellt aus Erdgas mit CCS) oder auch als grüner Wasserstoff (hergestellt durch Elektrolyse von Wasser mit erneuerbarer Energie).

Das Projekt H2H Saltend wird in der zweiten Phase dann Teil des Antrags der Zero Carbon Humber Alliance auf öffentliche Kofinanzierung durch den Industrial Strategy Challenge Fund sein, der am 23. Juni 2020 aufgelegt wurde. Vorbehaltlich einer unterstützenden britischen Politik werden Equinor und seine Partner das Projekt weiterentwickeln und eine endgültige Investitionsentscheidung im Jahr 2023 treffen, mit potenzieller Aufnahme der Produktion bis 2026.

Norwegischen Regierung plant umfassende CCS-Wertschöpfungskette bis 2024 - Demonstrationsprojekte

Die UK-Aktivitäten von Equinor dürften kein Zufall sein. Auf der Suche nach neuen industriellen Feldern ist es das Bestreben der norwegischen Regierung, bis 2024 eine umfassende CCS-Wertschöpfungskette in Norwegen zu entwickeln. Das wäre rechtzeitig zum Start der zweiten Phase des H2H Saltend-Projekts. Das in Norwegen aktuell geplante Northern Light-Projekt ist Teil der norwegischen Strategie und bereits ein CCS-Demonstrationsprojekt im großen Maßstab. Es umfasst die Abscheidung von CO2 aus industriellen Abscheidungsquellen in der Region Oslo-Fjord (Zement und energetische Abfallverwertung) und den Transport von flüssigem CO2 von diesen industriellen Abscheidungsstandorten zu einem Onshore-Terminal an der norwegischen Westküste. Von dort wird das verflüssigte CO2 per Pipeline zu einem Offshore-Lagerort unterseeisch in der Nordsee transportiert und dort "dauerhaft" gebunkert.

Im Mai 2020 haben das mehrheitlich im norwegischen Staatsbesitz befindliche Energieunternehmen Equinor und seine Partner bereits die endgültige Investitionsentscheidung für Northern Lights getroffen. Nun muss noch die norwegische Regierung eine positive Investitionsentscheidung treffen. Am Ende könnte das H2H Saltend-Projekt in Großbritannien ein Demonstrations-Projekt norwegischer Industriepolitik für die eigene CCS-Technologie werden.

© IWR, 2020


07.07.2020

 



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