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Atomenergie-Ausschuss nach Prüfung: Atomkraft in Norwegen derzeit nicht rentabel

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Oslo – Norwegen soll derzeit nicht in die Kernenergie einsteigen, da deren Nutzung nicht rentabel ist. Zu diesem Ergebnis kommt ein staatlich eingesetzter Atomenergieausschuss. Sowohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als auch der lange Zeithorizont sprechen gegen eine kurzfristige Nutzung.

Norwegen hatte unter Leitung von Kristin Halvorsen ein zwölfköpfiges Gremium zur Prüfung der Atomenergie eingesetzt. Dieses hat nun seinen Abschlussbericht vorgelegt. Der Bericht wird bis zum 01.10.2026 zur Konsultation ausgelegt, anschließend wird die norwegische Regierung über das weitere Vorgehen beraten.

Fehlende Wirtschaftlichkeit und Zeitfaktor als zentrale Hindernisse
Nach Einschätzung des Ausschusses ist Kernenergie in Norwegen unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht wirtschaftlich darstellbar. Ausschlaggebend sind hohe AKW-Investitionskosten bei gleichzeitig vergleichsweise stabilen Strompreisen auf niedrigem Niveau.

Bei den aktuellen Preisprognosen kostet Kernenergie das Zwei- bis Vierfache des künftig erwarteten Marktpreises für Strom, heißt es in dem Bericht. Die Investitionskosten müssten um 70 bis 80 Prozent sinken, damit Kernenergie in Norwegen rentabel wird. Entsprechend wäre sie derzeit auf erhebliche staatliche Subventionen angewiesen. Der Ausschuss sieht jedoch keine überzeugenden sozioökonomischen Argumente für eine solche Förderung, wie die Vorsitzende Kristin Halvorsen in der Tageszeitung Aftenposten ausführt.

Damit fehlt die Grundlage für einen wirtschaftlichen Betrieb – auch bei kleineren Reaktorkonzepten. Zwar werden sogenannte Small Modular Reactors (SMR) als potenziell kostengünstigere Alternative diskutiert, doch sieht der Ausschuss auch hier derzeit keine ausreichende Marktreife oder belastbare Kostenvorteile.

Hinzu kommt der lange Planungs- und Bauhorizont: Selbst unter optimistischen Annahmen könnte Kernenergie frühestens ab etwa 2045 zur Stromversorgung beitragen. Damit käme sie zu spät, um den wachsenden Strombedarf in den kommenden Jahrzehnten zu decken oder einen wesentlichen Beitrag zu den Klimazielen zu leisten.

Flexible Wasserkraft und Speicher vorhanden – Atomkraftwerke bieten keinen zusätzlichen Vorteil
Ein zentraler Befund des Ausschusses ist die Struktur des norwegischen Stromsystems, das stark auf Wasserkraft mit Speicherseen basiert. Diese ermöglicht eine flexible und steuerbare Stromproduktion.

Damit erfüllt das bestehende System bereits zentrale Funktionen wie Versorgungssicherheit und den Ausgleich von Schwankungen im Stromnetz. Auch mit Blick auf neue Technologien wie SMR ergibt sich daraus kein entscheidender Zusatznutzen: Die systemischen Eigenschaften, die Kernenergie bieten kann, sind im norwegischen Energiesystem bereits vorhanden.

Der Ausschuss kommt daher zu dem Schluss, dass Norwegen nicht auf Kernenergie angewiesen ist, da die vorhandenen Ressourcen die erforderliche Flexibilität und Stabilität liefern.

Empfehlung: Norwegische Kompetenz aufbauen
Trotz der klaren Bewertung gegen einen kurzfristigen Einstieg spricht sich der Ausschuss dafür aus, die Option Kernenergie langfristig offen zu halten – auch mit Blick auf technologische Entwicklungen wie SMR.

Empfohlen wird der Aufbau entsprechender Kompetenzen. Ein solches Programm soll Wissen, regulatorische Grundlagen und technisches Verständnis stärken, um bei veränderten Rahmenbedingungen schneller reagieren zu können.

Damit verfolgt der Ausschuss einen vorsorgenden Ansatz: kein unmittelbarer Ausbau, aber Vorbereitung für eine mögliche spätere Nutzung, falls sich Technologie und Wirtschaftlichkeit verändern.

© IWR, 2026


09.04.2026

 



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