London (UK) - Der Weltmarkt für erneuerbare Energien ist 2025 weiter auf Wachstumskurs. Das zeigt eine aktuelle Studie des Thinktanks Ember. Demnach wurde der gesamte Nachfrageanstieg beim weltweiten Strombedarf erstmals vollständig durch erneuerbare Energien gedeckt. Zudem wurde ein weiterer Meilenstein erreicht.
Die Analyse „Global Electricity Review“ von Ember zeigt 2025 einen historischen Wendepunkt im Stromsektor. Erstmals deckten erneuerbare Energien das gesamte Wachstum des weltweiten Strombedarfs ab und verhinderten damit einen Anstieg der fossilen Stromerzeugung.
Besonders Solarenergie und Windkraft trieben den Wandel, während in China und Indien der Kohleeinsatz spürbar zurückging und erneuerbare Energien deutlich zunahmen. Der Bericht unterstreicht damit einen strukturellen Wandel: Das globale Energiesystem bewegt sich zunehmend von fossilen hin zu elektrifizierten, erneuerbaren Strukturen. Besonders Solarenergie wird zum zentralen Wachstumstreiber einer neuen Energieordnung.
Solarboom deckt kompletten Strommehrbedarf 2025 – fossile Erzeugung stagniert
Der globale Ausbau erneuerbarer Energien hat 2025 einen markanten Wendepunkt erreicht. Nach Daten des Thinktanks Ember wurde der gesamte zusätzliche Strombedarf weltweit erstmals vollständig durch saubere Energien gedeckt. Damit blieb die Stromerzeugung aus fossilen Quellen nahezu unverändert.
Treiber dieser Entwicklung ist vor allem die Solarenergie. In diesem Bereich stieg die weltweite Stromproduktion 2025 um 636 Terawattstunden (TWh), was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 30 Prozent entspricht. Seit 2015 hat sich die Solarstromerzeugung mehr als verzehnfacht und verdoppelt sich etwa alle drei Jahre.
Zusammen mit dem Wachstum anderer sauberer Energiequellen hat der Solarboom dazu beigetragen, dass erneuerbare Energien den gesamten globalen Strombedarfszuwachs decken konnten. Solarenergie allein deckte drei Viertel (75 %) des Anstiegs ab, während Solar- und Windenergie zusammen fast den gesamten Bedarf (99 %) deckten. Insgesamt stieg die saubere Stromerzeugung um 887 TWh und übertraf damit das Nachfragewachstum von 849 TWh leicht. Infolgedessen sank die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen um 0,2 %, sodass 2025 erst das fünfte Jahr in diesem Jahrhundert ohne Wachstum bei fossiler Stromerzeugung sein wird.
„Wir sind endgültig im Zeitalter des sauberen Wachstums angekommen“, sagte Aditya Lolla, Geschäftsführer von Ember. „Saubere Energie skaliert mittlerweile so schnell, dass sie den steigenden globalen Strombedarf decken und die fossile Stromerzeugung bis zu ihrem unausweichlichen Rückgang stabil halten kann.“
„Solarenergie war der dominierende Treiber des Wandels im globalen Energiesystem. Zusammen mit Batteriespeichern ebnet sie den Weg zu einer rund um die Uhr verfügbaren sauberen Stromversorgung“, so Lolla weiter.
Batteriespeicher gewinnen für das Energiesystem zunehmend an Bedeutung
Der Ausbau von Speicherkapazitäten gewinnt zunehmend an Bedeutung. Laut Ember wurde 2025 bereits genügend Batteriekapazität installiert, um 14 Prozent der zusätzlich erzeugten Solarenergie zeitlich zu verschieben.
Vorreiterländer wie Chile und Australien installieren bereits so große Batteriespeicher, dass sie einen erheblichen Teil der Solarenergie außerhalb der Tageslichtstunden nutzbar machen können. Dies zeigt, wie Speicherlösungen die Systemflexibilität verbessern und einen höheren Anteil der Solarenergie am Strommix ermöglichen.
Erneuerbare Energien überholen erstmals Kohle im globalen Strommix
Neben der Deckung des Nachfragewachstums markiert 2025 auch einen weiteren strukturellen Einschnitt, da erneuerbare Energien die Kohleverstromung überholt haben. Während der EE-Anteil an der globalen Stromerzeugung auf 34 Prozent stieg, sank die Kohleverstromung im Berichtsjahr um 63 TWh und fiel damit auf einen Anteil von 33 Prozent zurück. Erneuerbare Energien haben damit die weltweite Kohleverstromung erstmals seit über 100 Jahren überholt.
Besonders deutlich zeigt sich der Strukturwandel in China und Indien, den beiden größten Wachstumsmärkten der vergangenen Jahrzehnte. In China sank die fossile Stromerzeugung um 56 TWh, da der Ausbau erneuerbarer Energien den gesamten Nachfragezuwachs abdeckte. Indien verzeichnete ein Minus von 52 TWh bei fossilen Energien, gestützt durch starke Zuwächse bei Solar- und Windkraft sowie hohe Wasserkrafterzeugung.
China treibt Ausbau nicht-fossiler Energien massiv voran
China plant auch in den kommenden Jahren einen deutlichen Ausbau nicht-fossiler Energien und will den Umbau seines Energiesystems weiter beschleunigen. Laut der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) soll das Angebot an nicht-fossilen Energiequellen bis 2030 im Vergleich zu 2025 deutlich steigen und sich bis 2035 sogar verdoppeln.
Der Ausbau ist Teil des 15. Fünfjahresplans und zielt auf den Aufbau eines neuen Energiesystems, das zunehmend auf erneuerbare und kohlenstoffarme Energieträger setzt. Neben dem massiven Ausbau zentralisierter und dezentraler erneuerbarer Projekte sollen auch große Infrastrukturvorhaben wie neue Wasserkraft- und Energiezentren die Versorgungskapazitäten stärken.
Parallel dazu soll die Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz verbessert und der Anteil nicht-fossiler Energien im Verbrauch deutlich erhöht werden. Fossile Energieträger sollen dabei schrittweise ersetzt werden, bleiben jedoch als Sicherheits- und Stabilitätskomponente im Energiesystem erhalten. Die Regierung setzt zudem auf eine beschleunigte Elektrifizierung zentraler Sektoren sowie auf technologische Innovationen wie Energiespeicherung, grünen Wasserstoff und neue Stromnetztechnologien.