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Deutschlands Strommarkt Q1 2026: Mehr Erneuerbare, sinkende Großhandelspreise – erstmals seit 2023 wieder Nettoexporteur

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Bonn - Im ersten Quartal 2026 zeigte der deutsche Strommarkt eine klare Verschiebung: Erneuerbare Energien deckten mehr als die Hälfte der Stromerzeugung, die Großhandelspreise gaben deutlich nach. Erstmals seit Ende 2023 überstiegen die Stromexporte wieder die Importe. Deutschland wurde damit wieder zum Nettoexporteur. Das geht aus einer Auswertung der Bundesnetzagentur (BNetzA) hervor.

Erneuerbare Energien kamen im deutschen Strommarkt im ersten Quartal 2026 auf rund 53 Prozent der Stromerzeugung und bauten ihre Rolle im deutschen Strommix weiter aus. Besonders Wind Offshore erreichte einen neuen Quartalshöchstwert. Gleichzeitig senkte der hohe Anteil erneuerbarer Energien den Day-Ahead-Großhandelspreis auf 102,17 Euro/MWh und damit unter den Durchschnitt der europäischen Anrainerstaaten.

Strommarkt Deutschland Q1 2026: Erneuerbare Energien wachsen, Wind Offshore erreicht Höchstwert
Die Nettostromerzeugung stieg im ersten Quartal 2026 um 7,0 Prozent auf 126,0 TWh und markierte damit den höchsten Q1-Wert seit 2023 sowie den stärksten Zuwachs seit 2021. Erneuerbare Energien lieferten 66,5 TWh und kamen auf einen Anteil von 52,8 Prozent nach 49,4 Prozent im Vorjahresquartal.

Wind Onshore blieb mit 33,1 TWh (+22,8 Prozent) der wichtigste Einzelenergieträger. Offshore-Wind erreichte mit 9,7 TWh einen neuen Quartalshöchstwert (+45,4 Prozent). Die Photovoltaik blieb mit 11,5 TWh stabil und erzielte die zweithöchste Einspeisung in einem ersten Quartal. Unter den konventionellen Energieträgern legte nur Erdgas zu und stieg auf 22,5 TWh (+5,8 Prozent). Braunkohle sank auf 20,1 TWh (-5,0 Prozent) und Steinkohle auf 10,7 TWh (-3,0 Prozent).

Der Stromverbrauch (Netzlast) stieg um 1,9 Prozent auf 127,2 TWh und erreichte den höchsten Wert seit dem ersten Quartal 2022. Gleichzeitig sank die Residuallast um 8,5 Prozent auf 72,9 TWh, da Wind und Sonne einen größeren Anteil der Netzlast deckten als im Vorjahr.

Strompreise Deutschland Q1 2026: Großhandel unter EU-Durchschnitt, höhere Volatilität im März
Der durchschnittliche Day-Ahead-Großhandelspreis sank um 8,7 Prozent auf 102,17 Euro/MWh und lag damit unter dem Durchschnitt der europäischen Anrainerstaaten (105,43 Euro/MWh). Ausschlaggebend waren die hohe Einspeisung erneuerbarer Energien sowie niedrigere Gaspreise in den ersten beiden Monaten des Quartals.

Die Marktvolatilität blieb hoch, veränderte sich jedoch in ihrer Struktur: Viertelstunden mit Preisen über 300 Euro/MWh gingen von 60 auf 12 zurück. Der Höchstwert lag bei 429,36 Euro/MWh am 4. März. Die Zahl negativer Preise blieb mit 172 Viertelstunden nahezu stabil.

Ab Ende Februar führte der Iran-Konflikt zu steigenden Gaspreisen und stärkeren Ausschlägen im Preisgefüge. Die Stromerzeugung aus Gaskraftwerken fiel im März auf 4,6 TWh, nach 9,8 TWh im Januar und 8,0 TWh im Februar. Gleichzeitig traten im März 8 der 12 Extrempreisspitzen über 300 Euro/MWh auf.

Deutschland wieder Nettoexporteur im Stromhandel: Außenhandel dreht ins Plus
Im ersten Quartal 2026 exportierte Deutschland 17,9 TWh Strom (+23,5 Prozent), während die Importe auf 15,3 TWh (-17,5 Prozent) sanken. Daraus ergibt sich ein Nettoexport von 2,6 TWh. Damit wurde erstmals seit dem vierten Quartal 2023 wieder mehr Strom exportiert als importiert.

Entscheidend war die im Vergleich zu den Nachbarländern günstigere Preisentwicklung in Deutschland. Dadurch stieg die Nachfrage nach deutschem Strom im Ausland, während Importe für deutsche Versorger weniger attraktiv waren. Österreich blieb größter Abnehmer mit 4,1 TWh. Besonders stark wuchsen die Exporte nach Dänemark (+113,4 Prozent) und Norwegen (+530,9 Prozent), während Frankreich deutlich weniger Strom aus Deutschland bezog (0,6 TWh).

Der Anteil erneuerbarer Energien an den Exporten stieg auf 57,1 Prozent nach 54,7 Prozent im Vorjahresquartal. Wind Onshore stellte dabei den größten Anteil der erneuerbaren Exportmengen. Auch bei den Importen lag der Anteil erneuerbarer Energien mit 50,2 Prozent leicht über dem Vorjahreswert.


© IWR, 2026


18.05.2026

 



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