Institutionelle Investoren setzen auf Windparks: Juwi verkauft 24-MW-Projekt an Union-Investment-Fonds
Institutionelle Investoren erschließen sich den Markt für erneuerbare Energien über unterschiedliche Finanzierungsmodelle. Neben dem Erwerb von Wind- und Solarparks setzen Versicherungen, Staatsfonds und Vermögensverwalter auf spezialisierte Fonds zur Finanzierung von Bau und Refinanzierung. Jüngste Kapitalzusagen und Fondsgründungen zeigen die Bandbreite des Engagements der Finanzwirtschaft.
Windpark Gyhum: Vier Vestas-Anlagen mit 24 MW Leistung
Der Windpark entsteht in Gyhum-Hesedorf im Landkreis Rotenburg (Wümme). Juwi errichtet vier Vestas V162 mit 169 Metern Nabenhöhe und 162 Metern Rotordurchmesser. Zusammen erreichen sie 24 MW Leistung. Nach JUWI-Angaben sollen die Anlagen jährlich knapp 73 Millionen Kilowattstunden (73 GWh) Strom erzeugen, entsprechend dem Jahresbedarf von etwa 25.000 Haushalten.
Über das Investitionsvolumen haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Pacifico Energy Partners beriet den Fonds beim Erwerb. Eine zusätzliche baugleiche Anlage am Standort wurde von einer örtlichen Betreibergemeinschaft übernommen und ist nicht Teil der Transaktion.
Union-Investment-Fonds baut Portfolio aus Wind- und Solarparks aus
Energy Invest Mittelhessen 1 wurde 2024 von Union Investment, Volksbank Mittelhessen und Pacifico initiiert. Die Volksbank kündigte damals Eigenmittel von bis zu 150 Mio. Euro an. Der Fonds investiert vor allem in Deutschland in baureife und betriebene Wind- und Solarparks sowie Batteriespeicher.
Union Investment Luxembourg verantwortet Fondsverwaltung, Portfolio- und Risikomanagement; Pacifico berät bei Transaktionen und unterstützt den Anlagenbetrieb. Zum Portfolio gehören bereits der Windpark Bokel (25,2 MW), der Solarpark Göhl (24,4 MWp) und das Solarprojekt Metternich (25 MWp). Das tatsächlich investierte Kapital ist nicht bekannt.
Staatsfonds und Versicherungen investieren in erneuerbare Energien
Auch international fließt institutionelles Kapital in erneuerbare Energien. Anfang Oktober 2026 sagte der norwegische Staatsfonds 1,2 Mrd. Euro für einen neuen Fonds von Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) zu. Bereits 2024 hatte er 900 Mio. Euro für dessen Vorgängerfonds zugesagt. Der neue Fonds konzentriert sich auf Projekte zur Erzeugung und Speicherung erneuerbarer Energien in OECD-Ländern. Im Unterschied zum Erwerb des Windparks Gyhum liegt der Schwerpunkt dabei auf Investitionen in der Entwicklungsphase.
In Deutschland legten der Munich-Re-Vermögensverwalter MEAG und der Windturbinenhersteller Enercon im September 2026 den ENERCON Finance Solutions Fund auf. Er ermöglicht nachrangige Darlehen von bis zu 10 Mio. Euro je Projekt, unter anderem für neue Vorhaben mit Enercon-Turbinen und zur Refinanzierung bestehender Windparks im deutschsprachigen Raum. Enercon beteiligt sich selbst als Investor. Ein Fondsvolumen wurde nicht veröffentlicht.
CIP meldete im März 2026 beim ersten Closing seines zweiten Green Credit Fund Kapitalzusagen von 1,3 Mrd. Euro bei einem Zielvolumen von 2 Mrd. Euro. Zu den Geldgebern zählen Versicherungen, Pensions- und Staatsfonds. Im Mittelpunkt stehen vorrangig besicherte Kredite für Energieinfrastruktur, auch zur Refinanzierung.
EU-Kommission will mehr privates Kapital mobilisieren
Nach Schätzungen der EU-Kommission sind von 2026 bis 2030 jährlich rund 660 Mrd. Euro an Investitionen im Energiesektor der Europäischen Union erforderlich, etwa für Energieerzeugung, Netze und Energieeffizienz. Der Bedarf geht damit deutlich über die Finanzierung neuer Wind- und Solarparks hinaus.
Mit ihrer im März 2026 vorgestellten Clean Energy Investment Strategy will die Kommission privates Kapital mobilisieren und Investitionsrisiken reduzieren. Schwerpunkte sind unter anderem Energienetze, innovative Energietechnologien und Energieeffizienz. Die Europäische Investitionsbank-Gruppe (EIB) beabsichtigt, die Umsetzung der Strategie in den kommenden drei Jahren mit mehr als 75 Mrd. Euro zu unterstützen.
Die Beispiele zeigen unterschiedliche Finanzierungswege: Neben dem Erwerb entwickelter oder betriebener Anlagen stehen Eigenkapitalbeteiligungen sowie nachrangige und vorrangig besicherte Kredite für Neubau und Refinanzierung. Für Projektentwickler können solche Modelle gebundenes Kapital freisetzen und Spielraum für weitere Investitionen schaffen.
© IWR, 2026
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