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Weltgrößtes rein batterieelektrisches Schiff startet Linienbetrieb zwischen Argentinien und Uruguay

© Incat© Incat

Hobart/Buenos Aires - Das bis dato weltweit größte batterieelektrische Schiff hat den kommerziellen Linienbetrieb aufgenommen. Die 130 Meter lange Elektrofähre „China Zorrilla“ transportiert Passagiere und Fahrzeuge zwischen Buenos Aires in Argentinien und Colonia in Uruguay. Das Schiff verfügt über einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 41,2 MWh.

Batterieelektrische Antriebe gewinnen im internationalen Fährverkehr zunehmend an Bedeutung. Neben kleineren Schiffen auf kurzen Strecken werden inzwischen auch große Hochgeschwindigkeitsfähren für den rein elektrischen Betrieb entwickelt und gebaut. In Europa zeigen neue Bauprojekte, dass sich die Elektrifizierung des Fährverkehrs auf unterschiedliche Schiffsklassen und Antriebskonzepte erstreckt.

China Zorrilla: 41,2 MWh Batteriespeicher und 16 MW Anschlussleistung
Nach Angaben der australischen Werft Incat Tasmania hat die für die Reederei Buquebus gebaute „China Zorrilla“ ihre erste kommerzielle Passagierfahrt zwischen Buenos Aires und Colonia erfolgreich absolviert. Die offizielle Einweihung fand am 21. Oktober 2026 in Buenos Aires statt. Am 26. Oktober bestätigte Incat den Beginn des kommerziellen Betriebs.

Der Aluminiumkatamaran kann bis zu 2.100 Passagiere und 225 Fahrzeuge transportieren. Das Batteriesystem wiegt nach Angaben der Werft mehr als 250 Tonnen. Acht Elektromotoren mit jeweils 2,4 MW Leistung treiben die Wasserstrahlaggregate an. Für das Laden der Batterien sind nach den technischen Angaben von Incat zwei Anschlüsse mit jeweils 8 MW vorgesehen.

Die rund 60 km lange Strecke zwischen Buenos Aires und Colonia kann das Schiff vollständig elektrisch zurücklegen. Während der Fahrt entstehen keine direkten Abgasemissionen. Nach Angaben von Incat sind zudem Geräuschentwicklung und Vibrationen an Bord deutlich geringer als bei Schiffen mit konventionellem Verbrennungsmotor.

Ursprünglich war das Schiff mit einem LNG-Antrieb geplant worden. Nach der Umstellung des Antriebskonzepts lief die „China Zorrilla“ im Mai 2025 in Hobart vom Stapel. Ende 2025 folgten erste elektrische Antriebstests, Anfang 2026 die Hafenprobefahrten.

Europa setzt auf große Elektrofähren: Drei batterieelektrische Katamarane für Dänemark
Auch in Europa werden große batterieelektrische Hochgeschwindigkeitsfähren für den kommerziellen Einsatz vorbereitet. Der australische Schiffbauer Incat baut derzeit drei jeweils 129 Meter lange Elektrofähren für die dänische Reederei Molslinjen. Die Schiffe sind für die Kattegat-Verbindungen zwischen Jütland und Seeland vorgesehen.

Die erste Fähre, Hull 102, soll mit einem Batteriesystem von 44,75 MWh ausgestattet werden. Nach Angaben von Molslinjen ist eine Ladeleistung von 55 MW vorgesehen. Die geplante Betriebsgeschwindigkeit beträgt 40 Knoten. Die hohe Ladeleistung verdeutlicht die Anforderungen, die große batterieelektrische Hochgeschwindigkeitsfähren an die Hafeninfrastruktur stellen.

Molslinjen hatte im Juli 2025 zunächst zwei Elektrofähren bestellt. Im Dezember 2025 wurde ein drittes Schiff in Auftrag gegeben. Nach Angaben von Incat befinden sich alle drei Fähren inzwischen im Bau.

Elektrifizierung im europäischen Fährverkehr: Batterieantrieb und Hybridkonzepte
Neben großen Hochgeschwindigkeitsfähren kommen Batteriesysteme auch in anderen Segmenten des europäischen Fährverkehrs zum Einsatz. Die Reederei Scandlines hat im März 2026 die Frachtfähre „The Baltic Whale“ auf der Verbindung Puttgarden - Rødby in Betrieb genommen. Das mit einem 10 MWh großen Batteriespeicher und einem zusätzlichen Dieselantrieb ausgestattete Schiff kann die 18,5 km lange Strecke rein elektrisch zurücklegen. Alternativ ist ein Hybridbetrieb möglich.

Andere Reedereien verfolgen einen schrittweisen Ansatz. Stena Line bestellte im September 2026 zwei neue RoPax-Fähren für die Verbindung Göteborg - Frederikshavn. Die ab 2030 vorgesehenen Schiffe sollen zunächst mit hybriden Antriebssystemen betrieben werden. Für eine spätere vollständige Elektrifizierung werden Bauräume vorgehalten, die Batteriesysteme mit einer Kapazität von bis zu 85 MWh aufnehmen könnten.

Die Projekte verdeutlichen die unterschiedlichen Entwicklungsstände bei der Elektrifizierung des Fährverkehrs. Während mit der „China Zorrilla“ inzwischen auch eine große Hochgeschwindigkeitsfähre vollständig batterieelektrisch im kommerziellen Einsatz ist und weitere Großprojekte entstehen, setzen andere Reedereien auf Hybridantriebe oder bereiten ihre Schiffe auf eine spätere Elektrifizierung vor. Welche Antriebskonzepte zum Einsatz kommen, hängt dabei nicht allein von der verfügbaren Batterietechnologie ab, sondern auch von den jeweiligen Betriebsprofilen und der Ladeinfrastruktur in den Häfen.

© IWR, 2026


28.10.2026

 



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